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Helmut Lasarcyk










"Wenn wir ein Einkommen haben, das wir nicht selbst erarbeiten, dann erarbeitet es ein anderer, der nichts dafür bekommt."
~ Jan Sobrius


Geld ohne Zins - oder:
Wo bleibt eigentlich der ganze erarbeitete Wohlstand?


Geld ist ein praktisches, universelles Tauschmittel der modernen Wirtschaft. Und Zins ist der gerechte Lohn, den jemand dafür erhält, dass er auf sein Geld für eine bestimmte Zeit verzichtet und es an jemand anders verleiht. So weit, so gut. Was hat es aber auf sich mit den Klagen über die ständig steigende Verschuldung ganzer Länder und die immer ungerechter werdende Verteilung des Reichtums auf der Welt?

Ganz einfach: Es steckt ein Teufelskreis in dem System, der (noch) nicht klar gesehen wird. Und der sieht so aus:

Wer mehr Geld hat, als er gerade ausgeben kann, bringt es auf eine Bank, die es ihrerseits an andere Leute oder Firmen (als Kredit) verleiht, die gerade dringend Geld brauchen. Auf diese Weise wird mein Vermögen zu anderer Leute Schulden. Diese zahlen es innerhalb bestimmter Fristen zurück und legen als Lohn ihre Zinszahlung drauf. Der Zins bedeutet für den Geldeigentümer eine Vermehrung seines Vermögens. Nun hat er noch mehr Geld, das er natürlich wieder zinsbringend anlegt, mithin verleihen läßt. Das schafft entsprechend höhere Schulden bei dem Kreditnehmer und führt zu höheren Zinseinnahmen beim Eigentümer. Einfach ausgedrückt:

    Geldvermögen von Bürger A => Kredit von Bürger B => Zinsgewinn für A
    => mehr Geldvermögen von A => mehr Kredit => höherer Zinsgewinn
    => noch mehr Geldvermögen => noch mehr Kredit = > noch höherer Zinsgewinn

Wie man sieht, handelt es sich um eine Schraube ohne Ende, man spricht von einem Regelkreis mit positiver Rückkoppelung. Und solche Systeme, das ist eine mathematische Binsenweisheit und aus der Natur bekannt, brechen immer irgendwann zusammen. Nichts kann ewig wachsen.

Das wachsende Volksvermögen, auf das man so stolz ist, bedeutet zwangsläufig eine ebenso wachsende gigantische Verschuldung, die alle beklagen - ohne den Zusammenhang zu sehen. Zwar machen einzelne einen prächtigen Gewinn bei diesem Geschäft, doch sie haben ohnehin so viel Geld, dass sie nicht mehr wissen wohin damit. Belief sich das reine Geldvermögen in Deutschland im Jahre 1970 noch auf 524 Milliarden DM, so waren es 1997 schon über zehnmal soviel - 5344 Milliarden DM (im Jahr 2014 waren es bereits 5207 Milliarden EURO)! Das Geld konzentriert sich in den Taschen weniger Leute, und die anderen haben immer weniger, sie verarmen also.

Für Deutschland gilt: Über 90 % der Menschen zahlen mehr Zinsen an andere, als sie selbst an Zinsen einnehmen, zum Nutzen der restlichen knapp 10 % der Bevölkerung. Dabei ist zu beachten, dass in allen Preisen, die wir täglich als Verbraucher im Laden zahlen, rund 30 bis 50 Prozent an Zinskosten enthalten sind! Gut eine halbe Milliarde Euro Zinsen wandert bei uns täglich in die Taschen der wenigen Kapitalgeber.

Jeder Normalbürger arbeitet inzwischen über ein Vierteljahr von jedem Kalenderjahr nur für die Zinsen! Anfang der 1950er Jahre genügten dafür noch drei Wochen. Und Geld, das man für Zinsen ausgeben muss, fehlt für andere, wichtige Dinge. Die Knappheit der Staatskassen geht genau hierauf zurück und wird uns allen immer schmerzlicher bewusst, wenn beispielsweise das Geld für die nächste Rentenerhöhung fehlt, keine neuen Lehrer für überfüllte Schulklassen eingestellt werden oder dringend nötige Reparaturen an öffentlichen Gebäuden nicht ausgeführt werden können.

Das zeigt deutlich: Unbegrenzt kann diese Entwicklung so nicht weitergehen.

Um einen katastrophalen Zusammenbruch des Wirtschaftssystems zu vermeiden, gibt es folgende Möglichkeit: Man muß den Zins nicht grundsätzlich abschaffen, doch man muss dafür sorgen, dass er sinkt, ohne dass zugleich den Kapitaleignern die Lust vergeht, ihr Geld  anzulegen. Das lässt sich am besten machen, indem man die Menschen dazu bringt, ihr Geld nicht zu horten. Es ist eine ökonomische Grunderkenntnis, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes der Schlüssel zum Wohlstand ist. Wer sein Geld dem Kreislauf entzieht, verhindert damit, dass Andere Arbeit haben und führt damit eine Stagnation der Wirtschaft herbei. Das kann durch eine Gebühr auf gehortetes Geld verhindert werden. Dann wird sich der Zins zwangsläufig auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, denn dem Eigentümer geht es jetzt zunächst um die Vermeidung des Verlusts auf Grund dieser Gebühr.

Allein der garantierte schnelle Umlauf des Gelds bringt die Wirtschaft zum Aufblühen. ("Geld muss fließen!" oder "Money makes the world go round" lautet auch hier die Devise.)  Dies ließe sich erreichen, indem man dafür sorgt, dass Geld, welches dem Umlauf entzogen wird, regelmäßig an Wert sinkt. So könnte man den raschen Umlauf erzwingen und dadurch würde sich die Zinshöhe von ganz allein nach unten korrigieren, und der beschriebene Teufelskreis wäre durchbrochen. In der kleinen Gemeinde Wörgl in Tirol Anfang der 1930er Jahre brachte der erzwungene Geldumlauf die Wirtschaft binnen kürzester Zeit in Schwung, und das während der schlimmsten Rezession. Mehrere praktikable Wege, wie diese Idee heute zu verwirklichen sei, sind bereits vorgeschlagen worden. Es lohnt sich, näher in dieses Thema einzusteigen.

Tipps zum genaueren Studium:

* Helmut Creutz: Das Geldsyndrom (1997; Neuauflage 2012)  ISBN 978-3-8107-0140-4
Zeitungsartikel von H. Creutz / Homepage Helmut Creutz
www.geldreform.de (die zentrale Anlaufstelle zum Thema)
www.humane-wirtschaft.de
Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation (Buch als PDF) 
Silvio Gesell: Hauptwerk Die natürliche Wirtschaftsordnung
Bernd Senf: Der Nebel um das Geld. Zinsproblematik, Währungssysteme, Wirtschaftskrisen. 
Günther Moewes:  Geld oder Leben. Umdenken und unsere Zukunft nachhaltig sichern (2004) 
Bernard Lietaer: Das Geld der Zukunft (2000)